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Zuckenriet: 07.05.2018
Die erste Maiandacht dieses Jahres leitete Rolf Tihanyi, Pfarreibeauftragter in Zuzwil<br>
Die erste Maiandacht dieses Jahres leitete Rolf Tihanyi, Pfarreibeauftragter in Zuzwil


Der Johanneschor Niederhelfenschwil sang Marienlieder, zum Teil mit dem Volk<br>
Der Johanneschor Niederhelfenschwil sang Marienlieder, zum Teil mit dem Volk


Der Sternenkranz Mariens
An der Maiandacht sprach der Prediger den Ursprung der Europa-Flagge an.
Ernst Inauen
Der Monat Mai gilt in der christlichen Tradition als Zeit der Marienverehrung. Die Kapellgenossenschaft Zuckenriet organisiert seit Jahrzehnten jeden Sonntagnachmittag in der Lourdesgrotte eine Maiandacht zu Ehren der Gottesmutter Maria.

Die erste Maiandacht des Jahres in der Lourdesgrotte Zuckenriet gestalteten der Pfarreibeauftragte der Kirchgemeinde Zuzwil, Rolf Tihanyi und der Johanneschor Niederhelfenschwil unter der Leitung von Bernhard Zingg. Der sonnige Frühlingstag lockte zahlreiche Besucherinnen und Besucher hinauf an den idyllischen Ort. Sie erlebten eine aussergewöhnliche Feier, bei der Rolf Tihanyi in seiner Betrachtung die Verbindung der zwölf Sterne im Sternenkranz von Maria mit der Flagge der europäischen Union erläuterte. Der Johanneschor umrahmte die Andacht mit Marienliedern, die zum Teil auch vom Volk mitgesungen wurden.

Dem Kriegsgräuel entkommen
Wohl kaum ein Zuhörender wusste vor dieser Maiandacht, was die zwölf Sterne auf blauem Grund auf der Europafahne bedeuten. Rolf Tihanyi erzählte die spannende Geschichte vom Ursprung des symbolträchtigen Merkmals des zusammen wachsenden Europas. „Ein belgischer Jude namens Paul Levi sah im zweiten Weltkrieg die Eisenbahnzüge, in denen Juden von der deutschen Gestapo in den Osten transportiert wurden. Er gelobte, dass er zum katholischen Glauben übertreten werde, wenn er den Krieg und die Herrschaft der Nationalsozialisten überstehe. Er überlebte, wurde Katholik und bekam dadurch auch zu Maria, der Mutter Jesu ein intensiveres Verhältnis“, berichtete der Prediger.

Religiöses Motiv
1955 sei im Europarat die Frage nach einer gemeinsamen Flagge diskutiert worden. Paul Levi sei damals an einer Statue der Mutter Gottes mit dem Sternenkranz vorbei gekommen. Durch die Sonne beschienen, hätten die goldenen Sterne vor dem blauen Himmel geleuchtet. Dies habe ihn veranlasst, dem Generalsekretär des Europarates diese Version mit zwölf goldenen Sternen auf blauem Grund als Motiv für die Europafahne vorzuschlagen. Das sei akzeptiert worden und so ziere noch heute in allen Staaten der europäischen Union der Sternenkranz Mariens die Europafahne. Die Lektorin zitierte dazu die Bibelstelle: „Und es erschien ein großes Zeichen am Himmel: Eine Frau, mit der Sonne bekleidet, und der Mond unter ihren Füßen und auf ihrem Haupt eine Krone von zwölf Sternen.“

Vielfältige Symbolik
Die Symbolik der Zahl „Zwölf“ sei vielfältig und für die Menschen von besonderer Bedeutung, erklärte Rolf Tihanyi. „Die Zwölfzahl der Sterne ist Hinweis auf die zwölf Stämme Israels und somit auf das Volk Gottes. Der Kranz als Symbol des Sieges und des Triumpfs signalisiert die Unbesiegbarkeit der Frau“. Bei den alten Ägyptern hatte die Unterwelt zwölf Tore und in der griechischen Mythologie sollte Herakles zwölf Aufgaben zu erfüllen. Jesus habe zwölf Apostel in den Kreis seiner Gefolgsleute aufgenommen, in Anlehnung an die zwölf Stämme Israels im Alten Testament. „Blau ist die Farbe Mariens, der Gegenwart Gottes und des Glaubens. Die goldenen Sterne stehen als Sinnbild der Ewigkeit und als Symbol der Liebe“, erklärte der Seelsorger. Inzwischen prange das Symbol Mariens auf jeder Europafahne, auf den europäischen Autonummern und auf jeden Euro-Geldschein.
1935 eingeweiht

Auf Initiative des damaligen Kapellpräsidenten Leo Jung errichteten Zuckenrieter Bauern 1934 an idyllischer Lage in der Nähe des Schlosses in Fronarbeit eine so genannte Lourdesgrotte. Der St.Galler Bischof Aloisius Scheiwiler weihte sie 1935 in einer denkwürdigen Feier ein. Seither pilgern gläubige Marienverehrer regelmässig hinauf zur idyllisch gelegenen Stätte. Nach einer ruhigen Besinnung oder beim
gemeinschaftlichen Beten und Singen in einer Andacht lohnt sich auch ein Blick in die wunderschöne Landschaft des Fürstenlandes und des Alpsteins.

Auch dieses Jahr finden an jedem Mai-Sonntag um 14.00 Uhr in der Lourdesgrotte die Maiandachten statt. Bei Regenwetter werden die Andachten in die Georgskapelle im Dorf verlegt.

Chorleiter Bernhard Zingg wählte unter anderem die gesungene Marien-Litanei aus, ein Wechselgesang zwischen Chor und Volk<br>
Chorleiter Bernhard Zingg wählte unter anderem die gesungene Marien-Litanei aus, ein Wechselgesang zwischen Chor und Volk


Die Bänke waren gut besetzt
Die Bänke waren gut besetzt

Der Chorleiter sang mit
Der Chorleiter sang mit

Die Lektorin las Bibeltexte
Die Lektorin las Bibeltexte

Chormitglieder suchten den Schatten
Chormitglieder suchten den Schatten