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Wil/St. Gallen: 12.09.2017
Die St. Galler Regierung bei ihrer Landsitzung in Wil. Zur Mittagsstunde waren die regionalen Gemeindepräsidenten für einen Austausch geladen.
Die St. Galler Regierung bei ihrer Landsitzung in Wil. Zur Mittagsstunde waren die regionalen Gemeindepräsidenten für einen Austausch geladen.

Die Regierung auf aktuelle Themen angesprochen
An der Landsitzung der Regierung in Wil thematisierte die Stadtregierung Wil aktuelle Schwerpunkte, welche auch der regierungsrätlichen Unterstützung bedürfen.
pd/nj
Am Dienstagvormittag tagte die St. Galler Regierung anlässlich der Landsitzung bei der Wiler Stadtregierung. Dies benutzte die Stadtregierung dazu, aktuelle Problemkreise von Wil und der Region bei der Regierung einzubringen, um deren Beitrag zu Lösungen zu fordern. Zur Mittagsstunde waren auch die Gemeindepräsidenten der grösseren Region in den Hof zu Wil geladen, sich mit der Regierung am gemeinsamen Essen auszutauschen.

Zwei Mal pro Jahr begibt sich die St. Galler Regierung für ihre Sitzung auf das Land, um den Kontakt zur Basis aufrecht zu halten und nicht zuletzt auch dazu, sich örtlichen Anliegen aus erster Hand annehmen zu können. Am Dienstag war die Stadt Wil an der Reihe.

Die Region Wil hat gewichtige Anliegen
Der amtierende Regierungspräsident Fredy Fässler konnte zur Mittagsstunde eine Vielzahl von Gemeindepräsidenten für einen Austausch begrüssen. Seitens der Stadtregierung und weiteren Kreisen erhielt Fässler eine ganze Reihe Anliegen vorgebracht, welche zumeist auch der Unterstützung seitens der Regierung bedürfen.

Ein Dauerthema ist der Fluglärm. Mit der Zustimmung der Pistenverlängerung seitens des Bundesrates müsse die Region mit zunehmendem Fluglärm rechnen. Zur Verschlechterung der Bahnverbindungen Wil-Zürich konnte Fässler dahin beruhigen, dass auf 2021 Besserung angesagt sei.

Ein gewichtiges Thema stellt sich bei der Raumplanung Wil-West. Beide Kantone, St. Gallen und Thurgau erhoffen sich daraus nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung (siehe auch Interview mit Baudirektor Marc Mächler im Kästli). Der Terminplan sieht aktuell den Baubeginn im Jahr 2022. Der Masterplan Bahnhof Wil steht ganz auf der Linie der Strategieplanung der Regierung. Dass die Wohnkosten regional zunehmend belastend wirken, zeigt sich nach Fässler am Beispiel der Stadt Gossau, wo der Wegzug von Familien mit Kindern aus Kostengründen sich bald einmal bei überflüssigem Schulraum bemerkbar machen werde.

"Wil West erhöht die Attraktivität der gesamten Region."
Marc Mächler ist seit 2016 als St. Galler Regierungsrat Vorsteher des kantonalen Baudepartements. Im Interview erzählt er, warum Wil West ein Chancenprojekt für die Entwicklung der ganzen Region ist.


Herr Mächler, die Kantone Thurgau und St. Gallen haben mit dem Entwicklungsschwerpunkt (ESP) Wil West ein für die Ostschweiz entscheidendes Vorhaben in Bern eingereicht. Weshalb wird das Projekt als „Kernstück“ bezeichnet?
Marc Mächler: Das Entwicklungsprojekt Wil West bietet für die Region Wil wie auch für die beiden Kantone eine einmalige Chance und ist äusserst spannend. Es verbindet zwei Kantone und mehrere Gemeinden miteinander in einem gemeinsamen Projekt. Wil West gibt der Wohn- und Wirtschaftsregion Regio Wil entscheidende Impulse für die künftige Entwicklung. Einerseits bringt das Vorhaben die lang ersehnte Entlastung der Stadt Wil vom Durchgangsverkehr, andererseits stärkt es die Region als Wirtschaftsstandort. Das zukunftsorientierte Generationenprojekt ist damit das Kernstück für eine starke Region. 

In Zusammenhang mit dem ESP Wil West wird oft vom Chancenprojekt gesprochen. Was ist damit gemeint? Welche Chancen bietet das Entwicklungsprojekt?
Marc Mächler: Der ESP Wil West hat eine grosse Bedeutung für die gesamte Region. Es ist ein entscheidendes Projekt für die beiden Kantone St. Gallen und Thurgau sowie für Wil und die umliegenden Gemeinden, den Standort aufzuwerten, an Vielfalt und Attraktivität zu gewinnen und im nationalen Vergleich der Region mehr Profil zu verleihen. Die Zentrumsentlastung verbessert die Verkehrslage in der Stadt Wil und den anliegenden Gemeinden massiv. Das wirkt sich auch positiv auf die Wohn- und Aufenthaltsqualität der Region aus. In Kombination mit der Schaffung eines innovativen, bestens erschlossenen Wirtschaftsgebietes wird die Region als Wohn- und Wirtschaftsstandort deutlich aufgewertet. Entscheidend in diesem Projekt ist, dass wir diese positive Entwicklung nutzen! Realisierbar ist der ESP Wil West jedoch nur dann, wenn wir alle gemeinsam am gleichen Strick ziehen und die sehr gute, beispielhafte kantonsübergreifende Zusammenarbeit weiterführen. 

Als interkantonales und interregionales Entwicklungsprojekt unterstützen zwei Kantone und mehrere Gemeinden die Realisierung von Wil West. Diese Zusammenarbeit ist aussergewöhnlich. Was sind die Schwierigkeiten und warum funktioniert es in diesem Fall?
Marc Mächler: Wichtig sind eine klare Abstimmung der Verantwortlichkeiten und eine einheitliche Kommunikation. Ausschlaggebend ist, dass das Projekt bis zum Schluss von allen Beteiligten getragen, unterstützt und realisiert wird. Die Eingabe des Agglomerationsprogramms der 3. Generation beim Bund ist nur der erste Schritt dahin, dessen müssen wir uns bewusst sein. Mit einem positiven Entscheid des Bundes und der Freigabe der Bundesgelder muss die Kooperation weiterhin bestehen, nur dann ist die Realisierung möglich. Der Standort für die Arealentwicklung liegt auf der Kantonsgrenze zwischen St. Gallen und Thurgau. Genau genommen ist das Areal im Besitz des Kantons St. Gallen, liegt aber auf Thurgauer Boden. Das führt automatisch zu einem interkantonalen Interesse und fordert eine lösungsorientierte Zusammenarbeit. 

Weshalb eignet sich der Standort für den Entwicklungsschwerpunkt Wil West?
Marc Mächler: Dank der hervorragenden Lage des Wirtschaftsgebiets Regio Wil wirkt sich das Gesamtprojekt positiv auf die ganze Region aus, wenn nicht sogar auf die gesamte Ostschweiz. Auf der Achse zwischen Zürich und St. Gallen gelegen, bildet Wil West einen starken Wirtschaftsstandort, der zwischen der Ostschweiz und dem Metropolitanraum Zürich einen Akzent setzt. Der Standort ist hervorragend an die öffentlichen Verkehrsmittel und den Individualverkehr angebunden und damit ein guter Ausgangspunkt für Unternehmen. Das alles erhöht auch die Attraktivität der Gesamtregion als Wohnort mit viel Lebensqualität. 

Im Masterplan von 2012 wird im Rahmen der Arealentwicklung von 4000 neuen Arbeitsplätzen gesprochen. In Zwischenzeit wurde diese Annahme auf bis zu 2000 Arbeitsplätzen korrigiert. Warum diese Anpassung?
Marc Mächler: Die Nutzungskonzeption des Masterplans von 2012 basierte auf den damaligen Prognosen und der Wirtschaftslage. Die Anpassung der Nutzungskonzeption ist eine Reaktion auf die generell veränderte Wirtschaftslage und dem heute prognostizierten künftigen Bedarf. Entsprechend wurde die Arbeitsplatzerwartung auf 1500 bis 2000 Beschäftigte reduziert. Zudem steht in der Nutzungskonzeption heute nicht mehr primär die Neuansiedelung von zum Teil ausländischen Unternehmen im Zentrum, sondern auch die Fläche für lokale Gewerbe- und Industriebetriebe mit Expansionspotential. Damit konzentriert sich die Region auf ihre Stärken und baut diese aus. Ich bin zuversichtlich, dass mit Wil West etwas Wertvolles für die Region entsteht.

Fredy Fässler amtiert im laufenden Jahr als Regierungspräsident. Er konnte die regionalen Gemeindepräsidenten nahezu vollständig begrüssen.<br><br><br><br><br><br><br><br><br><br><br><br><br><br><br>
Fredy Fässler amtiert im laufenden Jahr als Regierungspräsident. Er konnte die regionalen Gemeindepräsidenten nahezu vollständig begrüssen.
















Baudirektor Marc Mächler nimmt zum Thema "Wil-West" im Interview spezifisch Stellung.
Baudirektor Marc Mächler nimmt zum Thema "Wil-West" im Interview spezifisch Stellung.