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Eschlikon: 31.01.2012
Hansruedi Müller kann weiterhin mit seinem Hund Laila den Spaziergang unter den Bäumen geniessen.
Hansruedi Müller kann weiterhin mit seinem Hund Laila den Spaziergang unter den Bäumen geniessen.

Biobauer Hansruedi Müller vom Riethof hat sich erfolgreich für die Bäume eingesetzt.
Biobauer Hansruedi Müller vom Riethof hat sich erfolgreich für die Bäume eingesetzt.

Auf den Pappeln sitzen oft Greifvögel.
Auf den Pappeln sitzen oft Greifvögel.

Der Baumspezialist rät, die Bäume regelmässig zu pflegen.
Der Baumspezialist rät, die Bäume regelmässig zu pflegen.

Die Höhe der Bäume wurde auf 25 Meter geschätzt.
Die Höhe der Bäume wurde auf 25 Meter geschätzt.

Die Landschaft würde ohne die Allee anders aussehen.
Die Landschaft würde ohne die Allee anders aussehen.

Pappeln bleiben vorerst stehen
Das Aus von über 100-jährigen Bäumen verhindert
Ruth Bossert
Die Pappeln an der Flurstrasse Sackweid/Stockenholz in Eschlikon werden nicht gefällt, zumindest vorläufig. Gestoppt hat die geplante Fällaktion der Biobauer Hansruedi Müller vom Riethof.

Die Hektik um die geplante Fällaktion der sechs Pappeln entlang der Flurstrasse zwischen Stockenholz und Sackweid, parallel zum Gebäude der Firma Alinox hat Gemeindeschreiber René Bosshart übers Wochenende verschiedene Telefonanrufe beschert. Deshalb hat er am frühen Montagmorgen entschieden, den Auftrag zum Fällen der Bäume zu sistieren und die Angelegenheit zuerst mit dem WWF Thurgau und dem Kantonalen Vogelschutz an einem gemeinsamen Augenschein zu besprechen. Wenn dies nicht passiert wäre, sagt Andreas Engeler, Präsident Thurgauer Vogelschutz, hätte man einen Antrag auf eine Superprovisorische Verfügung beim Bezirksgericht Münchwilen eingereicht.

Allee ist nicht geschützt
Dass die Fällaktion der sechs Pappeln zu einem solch emotionalen Thema wird, hat René Bosshart überrascht. Weil Gemeindeammann Robert Meyer ferienhalber im Ausland ist, musste er sich am frühen Montagmorgen zuerst die nötigen Informationen beschaffen, welche zum Entscheid geführt haben. Er bestätigte, dass die Bäume am 1. Februar hätten gefällt werden sollen, der Auftrag dazu wurde vom zuständigen Ressortverantwortlichen, Robert Meyer, erteilt. Bosshart hält fest, dass die Pappelallee im Rahmen der Ortsplanung nicht als schützenswerte Bäume eingestuft wurden und demnach nicht unter Schutz steht. Im Rahmen von Abklärungen für den Unterhalt an den ungefähr 25 Meter hohen Pappeln, habe man einen Baumpflegespezialisten für eine externe Beratung beigezogen. Aufgrund des hohen Unterhaltsaufwandes, dem Zustand der Bäume und nicht zuletzt um die Gefahr von immer wieder herabstürzenden Ästen zu eliminieren, habe man entschieden, die Bäume zu fällen und als Ersatz einheimische Birken zu pflanzen. Bosshart räumt ein, dass es besser gewesen wäre, vorher mit den Umweltverbänden Kontakt aufzunehmen. Diesbezüglich wurde die Brisanz des Fällentscheids sicher unterschätzt. Von einer Nacht- und Nebelaktion will der Gemeindeschreiber aber nichts wissen.

Wichtig für die Greifvögel
Hansruedi Müller betreibt den biologischen Bauernhof Riethof und bewirtschaftet das Kulturland zwischen dem Flurweg und seinem Hof. Auf seinem Land, das er von der Gemeinde gepachtet hat, steht nur eine Pappel, emotional fühlt er sich hingegen für alle verantwortlich. Seit Jahrzehnten beobachtet er die Greifvögel, welche sich oft und in grosser Zahl in den hohen Pappeln aufhalten. Dass diese Vögel, er bezeichnet sie als seine «Angestellten» auch weiterhin die Mäuse auf seinen Feldern jagen, benötigen sie Möglichkeiten zum Absitzen. Deshalb setzt er sich vehement für den Erhalt der alten, mächtigen Bäume ein. Zusätzlich hat er auf seinen Feldern Stangen aufgestellt, damit die Greifvögel auch hier absitzen können.
Auch wenn er regelmässig heruntergefallene Äste wegräumen muss, glaubt er nicht, dass die Pappeln krank sind. «Es kann doch nicht sein, dass die Landwirtschaft zunehmend an der Förderung der Biodiversität arbeite und auch viele Auflagen erfüllen muss, während dem eine Gemeinde sang- und klanglos eine ganze Allee wertvolle Bäume vernichten darf.»

Prophylaktisch Bäume fällen ist unsinnig
Unterstützung findet Müller beim Thurgauer Vogelschutz und beim WWF Thurgau. So erklärt Jost Rüegg vom WWF, dass häufig wirtschaftliche Gründe schuld sind, wenn Baumalleen gefällt werden. Die Baumpflege koste etwas und dürfe nicht vernachlässigt werden. Deshalb sei es die Pflicht jedes Baumbesitzers, nach einem Sturm jeden Baum zu kontrollieren und entsprechende Massnahmen zu ergreifen. «Aus Sicherheitsgründen prophylaktisch Bäume zu fällen ist ein Unsinn.» Andreas Engeler vom Vogelschutz geht noch weiter und erklärt, dass solche Bäume aus ökologischen Gründen nicht gefällt werden dürfen. Die Baumreihe sei wertvoll für Vögel (Höhlenbrüter), Insekten und das Landschaftsbild.