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Rotkreuzfahrer in der Schellenschmiede
Die Rotkreuzfahrer aus der Region Wil lernen im Oberthurgau ein seltenes Handwerk kennen
Josef Bischof
Rotkreuz-Fahrerinnen und -Fahrer stellen sich freiwillig in den Dienst von kranken oder handicapierten Mitmenschen, wenn diese eine Fahrgelegenheit brauchen, beispielsweise zum Arzt oder in eine Therapie. Die Regionalstelle Wil und Toggenburg des Schweizerischen Roten Kreuzes organisiert und koordiniert ihre Einsätze. Am Mittwoch aber bot sie nicht zu einer üblichen Transportfahrt auf, sondern lud zu einem speziellen Anlass ein. In Winden TG konnte man dem Schellenschmied Andreas Keller über die Schulter blicken, und anschliessend traf man sich zu einem Nachtessen auf dem Nollen.
„Herstellung von feuervermessingten Schellen und allgemeine Schlosserarbeiten“ so preist Andreas Keller das Angebot seiner Schellenschmiede im oberthurgauischen Winden an. Eine stattliche Zahl interessierter Rotkreuz-Fahrerinnen und –Fahrer aus der Region Wil folgte der Einladung und bekam einen Einblick in ein äusserst selten gewordenes Handwerk. Andreas Keller hat es darin mit Herzblut und grosser Ausdauer zu einer beachtlichen Meisterschaft gebracht.
Übung macht den Meister Vor bald 20 Jahren kam der gelernte Schmied eher zufällig zu seiner neuen Herausforderung. Ein Hersteller von Schellenriemen bedauerte, dass handgemachte Schellen Mangelware seien. Das spornte Andreas Keller an, sich des Problems anzunehmen. Er informierte sich bei einem Tiroler Schellenschmied über die Herstellung und begann zu experimentieren. Drei, vier Jahre habe er schon gebraucht, bis der ganze Vorgang praktisch fehlerfrei verlaufen sei.
Rollen und Schellen Heute stellt er neben Schellen für Kühe vor allem Rollen für die Urnäscher Silvesterchläuse und andere Brauchtumsgruppen her. Der erste Teil der Arbeit ist traditionelle Schmiedearbeit. Aus runden Stahlrohlingen oder aus Stahlschablonen werden unter mehrmaligem Erhitzen die Halbkugeln für die Rollen, beziehungsweise die Hälften für die Schellen, exakt geschmiedet und zusammengefügt.
Spezielle Brenntechnik Grosses Können und viel Erfahrung und Geschick verlangt das anschliessende „Feuervermessingen“. Die Rollen und Schellen werden in einen „Lehmmantel“ gehüllt. Dieser enthält unter anderem Stroh, damit die Form beim anschliessenden Erhitzen im Brennofen auf rund 1600 Grad Celsius nicht bricht.
Wichtig sind auch die Messing- und Kupferteile im Lehm, welche bei rund 1000 Grad Celsius schmelzen, und den Schellen sozusagen den „letzten Schliff“ geben. Die Senntumsschellen, wie sie bei Alpfahrten oder Viehschauen bewundert werden können, stammten alle aus dem Tirol, stellt Andreas Keller fest, doch hofft er, in Zukunft auch solche Schellen schmieden zu können.
Über 20 Prozent mehr Fahrten Beim Nachtessen wurden den Rotkreuz-Fahrerinnen und –Fahrern Anerkennung und Dank gezollt. Die Regionalleiterin Rita Borner und die Einsatzleiterin des Fahrdienstes Wil, Anita Spiess, freuten sich über die gute Beteiligung am Jahrestreffen und würdigten die uneigennützige Freiwilligenarbeit.
Vom SRK des Kantons St. Gallen nahm Maia Frick am Anlass teil. Sie stellte fest, dass die Zahl der Rotkreuzfahrten gegenüber dem Vorjahr um 22 Prozent angestiegen sei. Dieses rasante Anwachsen gebe zu denken. Zum einen müsse die gestiegene Anzahl Fahrten von einer praktisch konstant gebliebenen Zahl an Fahrerinnen und Fahrern bewältigt werden. Ausserdem sei angesichts der demografischen Entwicklung (zunehmende Überalterung) ein weitere Anstieg unvermeidlich – und wohl nicht ohne Probleme zu bewerkstelligen.
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