iwp logo infowilplus.ch  
Orte
Spezial
Bettenau/Jonschwil: 06.09.2010
Viehmärkte wie dieser in Wil haben eine sehr lange Tradition.
Viehmärkte wie dieser in Wil haben eine sehr lange Tradition.

Viehmärkte und Viehschauen wie in Wil noch zeitgemäss?
Der Handschlag ist unter Bauern und Viehändlern noch immer der beste Vertrauensbeweis.
Christian Jud
«Modernste Technik und elektronische Informationen vermögen den Kontakt zu den Bauern und unter einander nicht zu ersetzen», sagte Albert Gämperli, von der Bauern- und Viehhändlerdynastie aus Bettenau, Gemeinde Jonschwil, beim Alphüttengespräch auf dem Stockberg beim Besuch der Bergbauernfamilie Hans und Milli Wittenwiler.

Es geht dem Herbst entgegen, der Zeit der Alpabfahrten, die sich in hunderten von Alpen gerade auch im Osten der Schweiz in der Woche des Bettag, in diesem Jahr vor dem 19.September, traditionell unter dem Stichwort Alpentleerung oder Alpabfahrt vollzieht». Das sagte Albert Gämperli, bei der vorherbstlichen Begegnung auf dem Stockberg, wo sich der Wattwiler Landwirt Hans Wittenwiler, wie schon seine Vorfahren, den Sommer über mit dem Viehstand aufhält.

Viehmärkte haben Bestand
«Dass sich die Viehmärkte im Herbst trotz allen Veränderungen im bäuerlichen Alltag ohne Mühe in die Gegenwart zu retten vermochten ist mit ein Beweis dafür, dass es diese Institutionen braucht», sagte Albert Gämperli, in der Gesprächsrunde am Tisch in der Alphütte auf dem Stockberg. Zu Ende des letzten Jahrhunderts hat er seinen Betrieb dem Sohn Patrik, der fünften Generation, übergeben, «und wie mein Vater mit gleichem Vornamen wie ich, wird man mich an den Märkten antreffen, so lange ich gehen kann».

Sein Sohn mit gleichem Vornamen Albert erlernte den Beruf eines Landmaschinenmechanikers. Inzwischen ist auch er Bauer geworden, bewirtschaftet im Kanton Zürich einen grossen Betrieb, und auch er schuf sich einen soliden Namen als Viehhändler. Dessen Vater Albert Gämperli weiss dazu:«Viele Kontakte sind im verlaufe der Jahrzehnte zu soliden Freundschaften ausgewachsen, die auch über die Landesgrenzen hinausgehen, und die wie ein kostbares Erbstück von der Nachfolgegeneration übernommen und weiter gepflegt wird».

Viehschauen mehr als Folklore
Auch die Frage, ob die Viehschauen noch zeitgemäss wären, stand in der Alphütte auf dem Stockberg zur Diskussion. Hans Wittenwiler erinnerte daran, dass sich die im Zuge der Gründungen von wohnörtlichen und regionalen Viehzuchtgenossenschaften im Übergang vom vorletzten zum letzten Jahrhundert diese wie kaum anderswo gerade auf dem Gebiet des Kanton St.Gallen bis in die Gegenwart behauptet haben und er sagte dazu: «Im Laufe der Jahrzehnte entwickelten sich die Viehschauen zu einem der verlässlichsten Werbeträger zur Verständigung im Zusammenleben der bäuerlichen und nichtbäuerlichen Bevölkerung».

Und seine Frau, Mlli Wittenwiler, die während zwölf Jahren als verlässliche Vertreterin des Bauernstandes den Kanton St.Gallen im Nationalrat vertreten hat, sagte dazu:«Es gibt wohl keinen zweiten Berufsstand der wie die Bäuerinnen und Bauern so nachhaltig in der Öffentlichkeit über ein engmaschiges Netz von Vereinen und andern Organisatoren zusammen steht, und da gehören die Gemeindeviehschauen sehr wohl dazu».

Handschlag wie ein Eid
Der Handschlag bei Kauf- und Verkaufsabschluss hatte einstmals in allen Lebensbereichen seine Gültigkeit und ersetzte oft gar die schriftliche Abmachung. Trudi Gämperli, die ihren Albert hin und wieder an die Märkte oder wie hier auf Alpbesuch begleitet, weiss dazu:«Da kann man immer wieder staunen, wie der Handschlag zum Abschluss eines Kaufes oder Verkaufes zwischen dem Viehhändler und dem Landwirt in allen Ländern seine Gültigkeit hat».

Dass der Name des kleinen Dörfchen Bettenau in alle Welt hinaus getragen wird, das kann an der Grafik über Kontakte an der Scheunenwand nachgesehen werden. Da stehen unter anderem Italien, Sizilien, Sardinien, Deutschland, Tunesien, Angola, Türkei, Frankreich, Spanien, Portugal, Brasilien, Argentinien, Griechenland, Bulgarien, Jugoslawien, Marokko, Rumänien, Libyen, Bolivien, Guyana und Südafrika. Keine Frage, eine solche Kundschaft wächst nicht von heute auf morgen heran.

Schwingerkönig und Bundesrat
Dass die Frage nach dem neuen Schwingerkönig im Vorfeld des Grossanlasses in Frauenfeld ebenso in das Alphüttengespräch eingeflochten wurde, versteht sich. Sind doch dem Nöldi Forrer seine Eltern und sein Bruder auf dem Stockberg sommersüber Alpnachbarn mit Wittenwilers und begegnet man hin und wieder dem seinem Bergvelo alles abfordernden Schwinger auf der steilen Bergstrecke. Kommentar und Prognose sind kurz und knapp:«Wenn es nicht der Jörg und nicht der Nöldi ist, dann ist es halt ein anderer».

Auch die Frage um die Merznachfolge im Bundesrat fällt kurz und eindeutig aus, und Albert Gämperli bringt es auf den Punkt: «Das soll und wird Karin Keller- Sutter sein, sie ist gebürtige Jonschwilerin und ich denke, jetzt sind wir doch endlich einmal an der Reihe». Das kann dann allerdings nicht mit dem bewährten bäuerlichen Handschlag besiegelt werden.
chj

Beim Alphüttengespräch,Milli Wittenwiler, Trudi und Albert Gämperli und Hans Wittenwiler.
Beim Alphüttengespräch,Milli Wittenwiler, Trudi und Albert Gämperli und Hans Wittenwiler.

An den Viehschauen sind auch die kleinsten Bauer.
An den Viehschauen sind auch die kleinsten Bauer.