Mit Dr. Urs Braun hat ein sehr versierter Psychologe das Thema Angst ausführlich beleuchtet.
Geduldig beantwortete er die zahlreichen Fragen aus dem interessierten Publikum.
Zuerst herrscht konzentriertes Zuhören und dann bekam der Referent den verdienten Applaus.
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Ängste lauern überall
Im Rahmen der Montagsvorträge in der Psychiatrischen Klinik Wil referierte Dr. phil. Urs Baumann über das Thema „Angst .... von der gesunden Reaktion bis zur lähmenden Krankheit“.
Vroni Krucker
Die Vorträge in der Wiler Klinik sind immer gut besucht. Das erwähnte Thema aber lockte eine grosse Schar Interessierte an, es gab keinen freien Platz mehr. Vermutlich wäre jede der angesprochenen Symptome, Reaktionen oder Störungen abendfüllend.
Angst als gesunde, lebenserhaltende Alarmreaktion ist bestens bekannt. Viele Menschen aber leiden unter starken Ängsten und vermeiden deshalb Situationen, die sie früher noch mit Freude und natürlicher Selbstverständlichkeit geniessen konnten. Angsterkrankungen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen in der Schweiz. So leidet jeder 7. Erwachsene im Laufe seines Lebens an einer Angsterkrankung. Wird die Angst nicht richtig behandelt, kann es zu einer Verschlechterung der Symptomatik, einer Chronifizierung und schliesslich sogar zur Entwicklung von Folgeerkrankungen kommen – mit entsprechenden Belastungen für die Betroffenen und ihr soziales Umfeld.
Körperliche Signale und Stress Es gibt viele körperliche Signale, welche eine Angstsituation begleiten. Herzklopfen, schlotternde Knie, Schweissausbrüche, kalte Hände und Füsse, Zittern der Muskeln und anderes kennt wohl in grösserem oder kleinerem Ausmass jeder Mensch. Alarmreaktionen – zum Beispiel ein Ball fliegt auf die Strasse - verlangen nach einer Reaktion, der Fokus wird auf die Gefahr gerichtet, man ist anfällig für Fehler und das bewirkt Stress. Die Angst ist aber notwendig als sinnvolles Alarmsignal, das den Körper auf schnelles Handeln vorbereitet.
Spezifische Ängste Wer kennt nicht Leute mit verschiedensten Ängsten: vor dem Fliegen, im Lift, in der Bergbahn, in grossen Menschenmassen, vor Spinnen, Mäusen, Schlangen oder was auch immer. Eine Angst wird zur Krankheit, wenn sie unangemessen stark ist, häufig und lange auftritt oder wenn man das Gefühl hat, die Kontrolle über sich selbst zu verlieren. Fazit: man flüchtet, hat „Angst vor der Angst“ und erfährt einen starken Leidensdruck. Man kennt Agoraphobie, Soziale Phobie und Spezifische Phobie. Alle drei haben Gemeinsamkeiten: Angst verstärkende Gedanken, körperliche Angstsymptome, Erwartungsangst oder Vermeidung von Situationen.
Der Teufelskreis „Angst“ Der Auslöser einer Angst sind Gedanken, Wahrnehmungen, körperliche Symptome und Veränderungen, Flucht oder Vermeidung durch Bewältigung. Wenn hier nicht ein positives Feedback folgt, wird sich die Angst unweigerlich verstärken. Aus eigener Kraft werden solche Zustände kaum abgebaut, denn der Wille zur Bewältigung erzeugt gewissermassen eine neue Angst – es nicht zu schaffen. Die Angst ist stärker als der Wille.
Fachliche Hilfe Nicht selten enden chronische Ängste in Depressionen und können bis zu Suizidversuchen führen – mit den entsprechenden Belastungen für die Betroffenen und ihr soziales Umfeld. Um den Teufelskreis zu durchbrechen ist meist fachliche Hilfe sinnvoll. Dort sind professionelle Behandlungsstrategien möglich. Der Mensch wird als Ganzes betrachtet. Der Therapeut tastet sich in Vorgesprächen an die Ursache des Problems. In Gruppen oder Einzelsitzungen werden die Ängste und Attacken angesprochen, man fühlt sich nicht allein.
Die Betroffenen lernen die Angstsymptome zu verringern und Strategien zur Bewältigung der Angst zu entwickeln. Dazu gehören auch Progressive Muskelentspannung oder Hausaufgaben mit konkreten Übungen. In 15 – 40 Sitzungen darf mit einem gut 70%-igen Erfolg gerechnet werden. Eines ist sicher –je rascher man die Bewältigung der Angst angeht, ob allein oder mit fachlicher Hilfe – desto weniger lang dauert der immense Leidensdruck, desto gelöster und glücklicher lässt es sich wieder leben.
Die vielen, interessanten und lebensnahen Fragen aus dem Publikum zeigten, dass viele Menschen schon mit Ängsten konfrontiert worden sind oder vielleicht Menschen kennen, die Hilfe brauchen. Oft sind es in der heutigen Zeit Existenzängste, die jeden befallen können.
Der Referent Dr. Urs Braun ist verheiratet und Vater eins kleinen Knirpses. Er ist Fachpsychologe für Psychotherapie FSP und zertifiziert in Notfallpsychologie. Nach verschiedenen psychiatrischen Einrichtungen arbeitet er seit 2 Jahren in der Psychiatrischen Klinik Will als leitender Psychologe. Daneben ist er Vorstandsmitglied des Vereins notfallpsychologe.ch und Mitglied im Nationalen Netzwerk Psychologische Nothilfe. Als erfahrener Notfallpsychologe wird er immer wieder bei Grossereignissen wie Haiti oder Sumatra beigezogen.
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