Mitgliederversammlung der Legasthenietherapeutinnen und Therapeuten LEGASG
Schon allein wegen des kulturellen Leckerbissens, den Gäste und Mitglieder an der MV jedes Jahr geniessen dürfen, lohnt sich die Teilnahme an der Mitgliederversammlung der LEGASG. Es tut auch immer wieder gut, sich die vielfältigen Tätigkeiten und Lernumfelder ins Gedächtnis zu rufen, mit denen die Vereinsmitglieder in ihrer täglichen Arbeit zu tun haben. Ein feiner Apéro zwischen Traktandenabhandlung und kulturellem Teil gibt jedes Jahr auch Gelegenheit, sich mit Kolleginnen auszutauschen oder Anliegen an Erziehungsrat oder KLV anzubringen.
Bootsfahrt auf dem Fluss des AlltagsCo-Präsidentin Luzia Sieber verglich die Arbeit einer Legasthenie-Therapeutin mit einer Bootsfahrt. Da gebe es ruhige Gewässer, aber auch Stromschnellen, Flauten oder Hindernisse, die es zu überwinden gelte. Im vergangenen Vereinsjahr standen nicht grosse Reformschritte im Vordergrund, sondern eher das Bewältigen von Schwierigkeiten aufgrund kürzlich eingeführter Neuerungen in der Schule. So kommt die Problematik von Kindern mit Sprachschwierigkeiten nun auch beim Englischunterricht zum Vorschein. Im Bildungsdepartement wurde ein „Praxiswegweiser für die Primarschule“ erarbeitet, der die besonderen Bedürfnisse von Kindern mit legasthenen Schwierigkeiten berücksichtigt. Es besteht Handlungsbedarf. Einführungen in das neue Handbuch werden angeboten.
Kernthemen des VerbandesDer LEGASG-Vorstand sucht immer wieder nach Kursthemen, die für die Vereinsmitglieder von Nutzen für ihre tägliche Arbeit sind. Im vergangenen Vereinsjahr gab es einen sehr gut besuchten Kurs zum Thema „Texte schreiben – vom gelenkten zum freien Schreiben.“ Die Vernetzung mit Verbänden aus anderen Kantonen gehört ebenfalls zu den Aufgaben des Vorstandes. Die IG Lega wird im kommenden Vereinsjahr im Kanton zu Gast sein. Auch eine Zusammenarbeit mit anderen Stufen wird geprüft.
Vernehmlassungen zu schulischen Themen werden ebenfalls im Vorstand bearbeitet. Kinder, die eine Sprachstörung haben, sind von allen Neuerungen im Schulalltag besonders betroffen. Rückmeldungen aus Sicht der Therapeutinnen sind deshalb besonders wichtig.
Seit Jahren wurde die Zusammenarbeit mit dem kantonalen Lehrerverein KLV ausgebaut. Die Aufgaben im Vorstand sind in Ressorts aufgeteilt. Dank intensivem Mailverkehr mussten nur drei Sitzungen einberufen werden.
Grusswort aus dem ErziehungsdepartementErziehungsrat Paul Bollhalder aus Bad Ragaz dankte in seinem sympathischen Grusswort den engagierten Frauen (und wenigen Männern), die sich der Förderung von Kindern mit besonderen Lernbedürfnissen annehmen. Er lud die versammelten Mitglieder ein, in der Vernehmlassung zum vorgesehenen Sonderpädagogik-Konzept Vorschläge und Wünsche anzubringen. Vermutlich müsse in den nächsten Jahren gespart werden, was auch die Bildung betreffen könne. Erziehungschef Stefan Kölliker hat eine Arbeitsgruppe mit dem Titel: „Wandel und Zukunft des Lehrberufs im Kanton St.Gallen“ zusammengestellt. Auf der Internetseite der Schule St.Gallen – www.schule.sg.ch - ist auch eine Umfrage zu den Herausforderungen des Lehrerberufs aufgeschaltet. Die Erziehungsdirektion hofft auch viele Rückmeldungen.
Neues aus dem KLVHansruedi Vogel – seit Kurzem Co-Präsident des KLV - bringt seit vielen Jahren die Neuigkeiten aus dem Lehrerverband KLV an die MV der LEGASG mit. Diesmal hob er vor allem die im Vergleich zur Privatwirtschaft nicht mehr genügenden Löhne hervor und gab der Hoffnung Ausdruck, dass die Regierung nicht nur den FCSG unterstützen, sondern auch ihre Lehrkräfte angemessener entlöhnen wolle. Der sich in erheblichem Umfang abzeichnende Lehrermangel verlange nach Verbesserungen auch auf finanziellem Gebiet. Schon heute arbeiteten Personen in den Schulzimmern, die die berufliche Qualifikation nicht besässen. Durch die Pensionierungswelle der nächsten Jahre könnte sich dies noch verschärfen, wenn jetzt nicht Gegensteuer gegeben werde.
Die Oberstufenreform beschäftigt weiterhin. Zum Glück konnte erreicht werden, dass Kleingemeinden auch mit nur 6 Klassen weiterhin eine Oberstufe führen dürfen. Nur gerade 6 Gemeinden im Kanton erfüllen diese Vorgaben nicht. Der Kanton St.Gallen ist dafür im Bezug auf die Schuljahresstunden in der Schweiz Spitzenreiter. Da könnte möglicherweise eine leichte Entlastung erfolgen. Vogel streifte auch kurz die neuen Kleidervorschriften aus dem Erziehungsdepartement. Für ihn sind Gespräche Verboten klar vorzuziehen.
Zum Schluss dankte Co-Präsident Vogel dem Vorstand der LEGASG für die interessante und konstruktive Zusammenarbeit und wünschte dem Verein weiterhin viel Erfolg bei all seinen Anliegen.
„Vater Bär, komm, spiel mit mir!“Auch diesmal kamen Vereinsmitglieder und Gäste zu einem kulturellen Hochgenuss. Die ehemalige Kindergärtnerin, Theaterpädagogin und freischaffende Figurentheaterschauspielerin Margrit Gysin
(be)rührte alle Herzen mit ihrem - kleine Kinder genau wie Erwachsene - ansprechenden Stück von der kleinen Mia, die ihren Vater Bär zum Spielen verführen will und dabei auf ganz viele Hindernisse stösst. Themen des Lebens wie das Aufräumen, das Zuhören, das Eingehen auf das Gegenüber kamen da vor.
Das kleine Mädchen Mia weiss genau, was es will, nämlich mit dem Papa Bär „Mama“ spielen. Er muss sich dabei brummend allerhand gefallen lassen. So wird ihm ein Käpplein aufgesetzt, eine rosarote Schürze umgehängt, er muss seine Stimme der weiblichen Höhe anpassen. Unversehens gerät das Spiel zu einem Märchenausschnitt. Rotkäppchen wird lebendig. Das Publikum wird zum „Wald“ erklärt und zur Geräuschkulisse angehalten. Das schlägt sofort ein. Vögel zwitschern, Äste rauschen… Zu guter Letzt lässt Mia aus einem auserlesenen Glückstäschchen Glücksstaub auf den Boden fallen. Beglückt applaudiert das Publikum.
Was Margrit Gysin mit den Puppenfiguren anstellt, ist allerhöchste Kunst. Sie selber „ist“ das Theater, kommt immer zu Hilfe, wenn Mia nicht mehr weiterweiss und „Theater, Hilfe!“ schreit. Erstaunlich ist, wie die Künstlerin ihre Stimme führt, die Sprache genau der Befindlichkeit ihrer Figuren anpasst und so richtig aus dem Vollen der Klischees schöpft. Die Zuhörerschaft vergisst fast zu atmen, hält sich manchmal vor Lachen den Bauch, freut sich über die frechen Sprüche der kleinen Mia und die brummige Reaktion von Papa Bär, staunt über die Handhabung der Figuren... Vergnüglicher könnte eine Vereinsversammlung nicht enden!
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