|
Einblick in die Kulturgeschichte
Der Johanneschor Niederhelfenschwil begab sich auf einen Ausflug in die süddeutsche Nachbarschaft.
Ernst Inauen
Das Freilichtmuseum Neuhausen ob Eck und die Sauschwänzlebahn waren die Attraktionen auf dem eintägigen Vereinsausflug des Johanneschors Niederhelfenschwil. Bei angenehmen Wetterverhältnissen genossen die Teilnehmenden einen interessanten Tag.
Bisher wurden die Vereinsausflüge des Johanneschors im zweijährigen Turnus organisiert. Weil im vergangenen Jahr anlässlich des Vereinsjubiläums die zusätzliche Reise nach Salzburg gar drei Tage dauerte, kam es diesmal zu einem Tagesausflug. Chorleiter Bernhard Zingg wählte den nahen süddeutschen Raum als Reiseziel aus, um der Gemütlichkeit und Kameradschaft genügend Zeit einzuräumen.
Am letzten Augustsonntag stiegen die 24 teilnehmenden Chormitglieder in Niederhelfenschwil und Zuckenriet in den Bus der Schönholzer Reisen ein. Chauffeur Urs führte sie über den Konstanzer Zoll nach Allensbach und über enge Dorf-, Wald- und Landstrassen hinaus zum Landgasthof Mindelsee, wo ein kurzer Kaffeehalt die teilweise noch vorhandene Müdigkeit vollends verscheuchte. Zum ersten Tagesziel in der Nähe von Tuttlingen gelangte die Reisegesellschaft durch eine reizvolle Wald- und Hügellandschaft.
Ländliche Wohnkultur Mit einer erfahrenen Führerin erkundeten die Sängerinnen und Sänger das Freilichtmuseum Neuhausen ob Eck. Die redegewandte Frau Henning klärte auf dem rund zweistündigen Rundgang mit spannenden Hintergrundinformationen über die Herkunft der Häuser, ihre Geschichte und die Lebensweise der damaligen Dorfbewohner auf. So wies sie unter anderem auch auf die im Gelände frei lebende Schweinerasse oder die alten Getreidesorten hin, welche die frühere Landnutzung zeigten. Ebenso erklärte sie die kuriose Geschichte des Kaufhauses Pfeiffer mit seiner authentischen Einrichtung. In der Sägerei konnten die Interessierten den kurzzeitigen Einsatz der Gattersäge verfolgen, die über ein grosses Wasserrad angetrieben wird.
Süddeutsches Ballenberg Ähnlich wie im Schweizer Freilichtmuseum Ballenberg bietet auch das Museum in Neuhausen ob Eck den Besuchern einen Einblick die dörfliche Wohnkultur der südwestlichen Region Baden-Württembergs. 24 Häuser aus den Regionen „Schwäbische Alb“, Schwarzwald und aus der Bodenseeregion bilden in fünf Gruppen das sehenswerte Museumsdorf. Im Eingangsbereich steht der attraktive Riegelbau des Gasthofs „Ochsen“. Er wurde aus dem Schwarzwald ins Museum versetzt. Im historischen Dorfgasthaus Ochsen war denn auch am Mittag eine der gemütlichen Gaststuben für den Niederhelfenschwiler Chor reserviert. So konnten die Chormitglieder regionale Spezialitäten wie Schweinebraten mit Spätzle oder Kässpätzle geniessen. Der vom Hause offerierte saure Most war allerdings eher gewöhnungsbedürftig und nicht mit einem süffigen Möhl vergleichbar. Frisch gestärkt ging anschliessend die Fahrt weiter zum grenznahen Bahnhof Weizen, wo der zweite Höhepunkt anstand.
Historische Bahnstrecke Bald dampfte die historische Sauschwänzlebahn daher, der eine grosse Schar Fahrgäste entstiegen. Ebenso viele nahmen in der Talstation Weizen wieder in den Waggons Platz. Die Museumsbahnstrecke mit einer Länge von 25 Kilometer wurde 1977 in Betrieb genommen, nachdem sie ein Jahr zuvor von der Deutschen Bundesbahn stillgelegt wurde. Die 1887-1890 erbaute Strecke gilt heute als technisches Kulturdenkmal und Zeuge deutscher Ingenieurbaukunst.
In zahlreichen Schleifen, Kehrtunnels und über Stahlbrücken windet sich die von einer historischen Dampflokomotive gezogene Bahn durch das romantische Wutachtal, was der Bahn auch seinen Namen gab. Natürlich verlockte die erlebnisreiche Fahrt die Hobbyfotografen zu etlichen Schnappschüssen. So zog es sie ins Freie zwischen die Wagen. Im Endeffekt mussten nach der Ankunft im Bahnhof Blumberg russige Hände und Köpfe mit Feuchttücher gereinigt werden.
Nach der rund einstündigen Bummelfahrt gab es noch Gelegenheit, das Bahnmuseum und das alte Stellwerk zu erkunden, bevor es auf die Rückfahrt mit dem Bus ging. Auf der Insel Reichenau wartete ein feines Nachtessen, zu dem auch reichlich der angenehme Wein aus der Bodenseeregion floss. Zufrieden und zu christlicher Zeit kehrten die Cäcilianerinnen und Cäcilianer in die heimatlichen Gefilde zurück.
|
|