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Die Stärkung der Zentren Wil und Uzwil kommt allen zu Gute
Agglomerationsprogramm Wil: Gemeinsamer Einsatz für die Stärkung der Region
H. Jutz
Nachdem ein Zukunftsbild beim Agglomerationsprogramm Wil (2. Generation) für die gesamte Agglomeration entwickelt wurde, folgen die vier Teilkonzepte Siedlung und Landschaft, motorisierter Individualverkehr, öffentlicher Verkehr und Langsamverkehr. Nun liegen die Entwürfe der Massnahmenpakete vor. Das Herzstück des Agglomerationsprogramms bilden die Strategien zur Stärkung der Zentren (Wil und Uzwil) und zum Entwicklungsschwerpunkt Wil West. Das Programm wird Ende 2011 beim Bund eingereicht.
Die Arbeiten am Agglomerationsprogramm Wil (2. Generation) laufen auf Hochtouren. In einem gemeinsamen Prozess mit allen betroffenen Gemeinden und den Kantonen St. Gallen und Thurgau erarbeitet die Interkantonale Regionalplanung Wil (IPRG) das Agglomerationsprogramm der 2. Generation.
Agglomeration schützen und stärken Die Agglomeration Wil umfasst 14 Gemeinden, in denen gegen 90‘000 Menschen leben und mehr als 30‘000 Personen arbeiten. Die Agglomeration Wil ist ein attraktiver Lebens- und Arbeitsort im Einzugsgebiet des Metropolitanraums Zürich, in der Mitte zwischen dem Toggenburg und dem Bodensee. Die besondere Lage und die wertvollen Naherholungsräume sollen mit dem Agglomerationsprogramm der 2. Generation geschützt und gestärkt werden.
Agglomerationsprogramme sind ein langfristiges Planungsinstrument, die der Bund als Basis für Bundesbeiträge an Verkehrsinfrastrukturen des Agglomerationsverkehrs festgelegt hat. Kantone und Gemeinden können nach definierten Vorgaben Agglomerationsprogramme beim Bund einreichen. Zurzeit laufen in der ganzen Schweiz die Arbeiten an der 2. Generation der Agglomerationsprogramme. Aufgrund der eingereichten Programme entscheidet der Bund, welche Projekte finanziell unterstützt werden.
Zukunftsbild für die ganze Region erarbeiten Eine wichtige Voraussetzung des Bundes betrifft die Erarbeitung eines Zukunftsbildes für die gesamte Region, welche durch ein breites Mitwirkungsverfahren begleitet wird. Das Zukunftsbild soll aufzeigen, in welche Richtung sich die Agglomeration entwickeln will, welche Strategien zu diesem Ziel führen, und welche Massnahmen einen optimalen Beitrag dazu liefern. Das Zukunftsbild soll Siedlungs- und Landschaftsaspekte und darauf abgestimmt die Entwicklung der verschiedenen Verkehrsträger beschreiben.
Die schematische Darstellung des Zukunftsbildes will folgende Kernaussagen veranschaulichen: Das handförmige Einzugsgebiet von Wil und die Achse von und nach Uzwil zeigen, dass die Stärkung der beiden Zentren allen zugute kommt. Starke Regionen brauchen starke Zentren – und umgekehrt. Wenn sich die Region im nationalen Standortwettbewerb behaupten will, braucht sie ein gemeinsames Engagement aus der Gesamtsicht heraus und eine starke, verbindliche Planung, damit nicht unkontrollierte – und unerwünschte Entwicklungen passieren. Der Autobahn-Anschluss Wil-West hat nur eine Chance, wenn die gesamte Region sich dafür einsetzt und wenn die Entwicklung des Gebietes Wil-West konsequent und nachhaltig angegangen wird.
Die Schwerpunkte Die Konzepte, die auf der Basis des Zukunftsbildes erarbeitet wurden, weisen folgende Schwerpunkte auf:
Gesamtschau: Die Agglomeration Wil wird als ein zusammenhängender Gesamtraum betrachtet. Seine Zentren sind Wil und Uzwil. Die Planung denkt über die Gemeinde- und Kantonsgrenzen hinweg.
Abstimmung von Siedlung und Verkehr: Die künftige Siedlungsentwicklung soll dort erfolgen, wo der öffentliche Verkehr (ÖV) stark ist. Das Siedlungsgebiet soll sich grundsätzlich nicht weiter ausdehnen, so wird die drohende Zersiedelung bekämpft. Zentren stärken: Wil und weitgehend auch Uzwil verfügen über eine sehr gute Verkehrserschliessung und ein vielseitiges Dienstleistungsangebot. Sie sind die gewachsenen Zentren der Region. Diese Rolle soll gestärkt werden.
Fit für den Standortwettbewerb: Der Standortwettbewerb wird nicht innerhalb der Agglomeration ausgetragen. Vielmehr soll die gesamte Agglomeration geschlossen und gestärkt im Standortwettbewerb mit anderen Regionen auftreten können. Gemeinsam gewinnt die gesamte Region.
Natur- und Lebensraum erhalten: Die attraktiven Naturräume und vor allem auch die Flussräume sollen erhalten, geschützt und aufgewertet werden.
Mehr Zug für den ÖV: Neben einer neuen Bahnhaltestelle der Frauenfeld-Wil-Bahn in Wil-West sollen die Bahnhöfe von Wil und Uzwil aufgewertet werden. So soll die Attraktivität der ÖV-Zentren (Bus, Bahn) verstärkt werden. Das gesamte ÖV-Angebot wurde analysiert, sodass teilweise einfach zu realisierende Verbesserungen möglich werden.
Wil wächst in Wil-West: Der geforderte Autobahnanschluss Wil-West hat beim Bund nur eine Chance, wenn aufgezeigt wird, dass Wil-West als Entwicklungsschwerpunkt betrachtet wird. In diesem Gebiet sollen Arbeitsplätze und Wohnungen entstehen. Mit entsprechenden Regelungen wird die Ansiedlung von Einkaufszentren verhindert.
Verkehrsentlastung im Zentrum Wil: Mit der neuen Regionalverbindungsstrasse zwischen Wil-West und Bronschhofen wird das Wiler Zentrum vom Durchgangsverkehr entlastet. Ortsdurchfahrten entlasten: Die stark belasteten Ortsdurchfahrten werden durch gestalterische Massnahmen aufgewertet.
Schneller und sicherer zu Fuss und mit dem Velo: Massnahmen zur Erhöhung der Verkehrssicherheit, die Schliessung von Netzlücken und der bessere Zugang von wichtigen Orten wie Schulhäuser, Bahnhöfe, Freizeitanlagen etc. haben einen besonders hohen Wirkungsgrad.
Zuversicht bei der IRPG Zurzeit werden die Konkretisierungen dieser Konzepte in den Massnahmenpaketen in den verschiedenen Gremien diskutiert. Lorenz Liechti, Gemeindeammann von Münchwilen und Präsident der IPRG, ist zuversichtlich: „Die Rückweisung des 1. Agglomerationsprogramms durch den Bund ist für uns eine echte Herausforderung. Nach der Enttäuschung wurde aber bei uns allen der Wille gestärkt, bei der 2. Generation erfolgreich zu sein. Heute bin ich sicher, dass wir im 2. Anlauf gut aufgestellt sind.
Wir haben uns in der Agglomeration zusammengerauft und viel Knochenarbeit geleistet – und es hat sich gelohnt, äussert sich Liechti weiter. Wir haben uns gemeinsam zu einem klaren Bekenntnis zur Stärkung der Zentren (Wil und Uzwil) durchgerungen, haben heute eine breit abgestützte Zustimmung zum Entwicklungsschwerpunkt Wil-West und eine klare Unterstützung zu verschiedenen Massnahmen zur Lösung unserer Verkehrsprobleme. Deshalb bin ich zuversichtlich, dass der Bund uns beim zweiten Anlauf die notwendige Unterstützung zusagen wird.“
Wil-West durchbringen Auch der Uzwiler Gemeindepräsident, Werner Walser, sieht die Entwicklung positiv: "Bis anhin konzentrierte sich die IRPG auf Aufgaben, auf Dienstleistungen, auf Verbesserungen für alle. Neu geht die Arbeit an die strukturelle Entwicklung und Stärkung der Region. Also über die Gemeindegrenzen hinaus. Denken und Handeln im vorwiegenden Interesse der Region wird zur Maxime." Der Verkehrsökonom Peter Marti vom Planungsbüro Metron bestätigt: „Nicht alle können alles haben - aber alle erhalten zusammen mehr!“
Und Christoph Häne, Gemeindepräsident von Kirchberg, verdeutlicht: „Wenn sich die Gemeinden innerhalb der Agglomeration gegenseitig konkurrenzieren, sind die anderen Agglomerationen die lachenden Dritten. Denn der Standortwettbewerb findet nicht zwischen Wil und den umliegenden Gemeinden statt, sondern zwischen der Agglomeration Wil und anderen Agglomerationen. Wenn wir Gemeinden uns nun zusammen gut aufstellen, haben wir eine gute Chance, dass wir uns gemeinsam positiv entwickeln. Wenn wir nichts machen oder isoliert jeder für sich kämpft, verlieren wir alle.“ Auch für Stefan Frei, Gemeindepräsident von Jonschwil ist klar: „Wenn wir Wil West durchbringen wollen – und das erachte ich als wichtig - müssen nun alle Gemeinden zusammenstehen und an einem Strick ziehen.“
Unterstützung vom Thurgau Der gemeinsame Prozess wird auch von den Kantonen St. Gallen und Thurgau aktiv unterstützt. Für Jacques Feiner, Projektleiter Agglomerationsprogramme beim Baudepartement des Kantons St. Gallen, hat sich der Prozess zur Erarbeitung des Agglomerationsprogramms jetzt schon gelohnt: „Es ist für mich jedes Mal eine Freude, wenn ich sehe, dass sich die Gemeinden echt und überzeugt auf die regionale Sicht einlassen. In den verschiedenen Gremien werden viele Dinge, wie zum Beispiel der Entwicklungsschwerpunkt Wil-West, von allen getragen. Ich glaube, das wäre vor einigen Jahren noch nicht in dieser Klarheit möglich gewesen. Insofern bin ich zuversichtlich, dass der Bund diese Leistung anerkennen wird.“
Ueli Hofer, Kantonsplaner des Kantons Thurgau, freut sich über die aktive Zusammenarbeit über die Kantonsgrenzen hinweg: „Raumplanerische Überlegungen dürfen an den Kantonsgrenzen nicht halt machen. Wenn wir unseren Wirtschafts- und Lebensraum stärken wollen, müssen wir zusammenarbeiten. Das bedingt ein gemeinsames Vorgehen der 14 Gemeinden und der beiden Kantone. Mit dem Agglomerationsprogramm gehen wir diesen Weg konsequent.“
Auch Ueli Strauss, Kantonsplaner des Kantons St. Gallen, unterstützt den Prozess aktiv: „Es ist unsere Aufgabe, den fortschreitenden Flächenverbrauch, welcher die unerwünschte Zersiedelung vorantreibt, zu bekämpfen. Wir müssen jetzt proaktiv handeln, denn eine weitsichtige, nachhaltige Entwicklung der Region ist der beste Trumpf im Standortwettbewerb mit anderen Regionen.“ Ueli Strauss legt auch klar, wie eine solche Entwicklung aussieht: „Die konsequente Förderung der Zentren, der inneren Verdichtung und der damit verbundenen Verkehrsmittel (öffentlicher Verkehr, Langsamverkehr) sind das Herzstück der Strategie. Um die Landschafts- und Lebensqualität der Region zu erhalten, müssen wir die weitere Ausdehnung der Siedlungsflächen limitieren. Und genau das sind die Schwerpunkte des Agglomerationsprogramms Wil.“
Nächste Schritte Zurzeit werden die Massnahmenlisten, welche auf den beschriebenen Konzepten basieren ausgearbeitet und diskutiert. Danach erfolgen die Prüfung der Auswirkungen, die Priorisierung der Massnahmen und die Organisation der Trägerschaft. Ungefähr im Sommer 2011 wird eine Vernehmlassung über das gesamte Programm durchgeführt. Ende 2011 wird es dem Bund eingereicht.
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