176. Hauptversammlung der Donnerstags-Gesellschaft Oberuzwil
Es gibt gesellschaftliche Anlässe, an die man gerne geht, aber auch solche, die einfach Pflicht sind. Die HV der Donnerstags-Gesellschaft Oberuzwil gehört auf jeden Fall zur ersten Kategorie. Hier trifft man Menschen, mit denen angeregte Gespräche über ganz viele Themen möglich sind. Das Ganze hat zwar Struktur - genannt Traktandenliste -, aber der gesellschaftliche Aspekt samt einem feinen Imbiss überwiegt.
Einige Daten zum VereinDie Donnerstags-Gesellschaft zählt augenblicklich 230 Mitglieder, davon sind 13 im laufenden Geschäftsjahr eingetreten, 2 haben sich verabschiedet. An zwei im vergangenen Jahr verstorbene Mitglieder wurde in einer Gedenkminute nochmals gedacht. Der Verein besteht seit 1834, hat eine wechselvolle Geschichte erlebt und kann neu auf dem Internet genauer nachverfolgt werden. (siehe Kasten) Es lohnt sich, hier einmal etwas vertiefter nachzulesen, was alles zu seinen Aktivitäten gehört.
Für Aug und Ohr…Nicole Brühwiler am Flügel und Marcia Schmidt mit der Panflöte erfreuen mit gediegenen Klängen vor und nach der Abwicklung der Traktanden die Mitglieder. „Erwachen“ von Panflötenlehrer Hansjörg Rechsteiner zu Beginn, war wohl eher als humorvoller Fingerzeig gedacht, während der Versammlung nicht zu schlafen. Nach dem offiziellen Teil führten die „Panträume“ von Edward Simoni über zum feinen Salatteller und der Rösslitorte samt Kaffee. Geträumt wurde jedoch erst zuhause im Bett wieder. Überall wurde während und nach dem Essen eifrig diskutiert. So wurden Auge, Ohr und Gaumen samt Nase beglückt, ganz im Sinne von Heinrich Pestalozzi, welcher seinerzeit für „Kopf, Herz und Hand“ geworben hatte. Einen kleinen pädagogischen Anstrich hat so ein Verein wie die Donnerstags-Gesellschaft seit Anbeginn, und das ist gut so!
Abwicklung der GeschäfteThomas Rhyner ging sehr zielgerichtet vor bei der Abwicklung der Traktandenliste. Nach dem von Ellen Schout Grünenfelder verlesenen – aber nicht von ihr verfassten – Protokoll stellte der Vorstand den Antrag, den Jahresbeitrag von den bisher bescheidenen auf immer noch ganz moderate Fr. 50.00 zu erhöhen. Immerhin könnten auch immer zwei Personen vom Angebot profitieren. Ohne eine einzige Gegenstimmte – Stimmenzählerin Marta Nef hatte während der ganzen Versammlung keine einzige knifflige Situation zu meistern oder gar Stimmen zu zählen! – ging der Antrag durch. Die Kasse ist noch immer sehr gut beieinander, aber es wird auch an die Zukunft gedacht. Im Vereinsjahr war ein Verlust von Fr. 2‘540.35 zu verzeichne, was aber angesichts eines Vermögens von mehr als Fr. 28‘000.00 leicht verschmerzbar ist. Franz Odoni verlas den Revisorenbericht auf äusserst humorvolle Weise in seinem schönen Luzerner Dialekt, was einmal mehr bewies, dass auch trockene Materie Leben bekommen kann.
JahresberichtIn seinem sehr gediegenen Jahresbericht blickte Präsident Thomas Rhyner auf das vergangene Geschäftsjahr zurück. Erst liess er das letztjährige Jubiläumskonzert nochmals aufleben. Der humorvolle Rückblick auf den Verein, von Ursi Müller-Bachmann für das Jubiläum verfasst, kann auf der neuen Homepage des Vereins nachgelesen werden. (Unter „Wer sind wir?" zu finden.) Überhaupt lässt sich dort ganz viel über den Verein und seine Aktivitäten erfahren.
Thomas Rhyner erinnerte auch an den ehemaligen Präsidenten Hansjürg Näf, welcher 1977 schrieb, der Präsident müsse „nebst den Geschäften auch eine eigene Sicht auf gesellschaftliche Probleme und Veränderungen entwickeln“, das sei ein ungeschriebenes Gesetz. Und ungeschriebene Gesetze würden oft besser eingehalten als alle geschriebenen. Ob das auch heute noch der Fall ist?
Visionen des PräsidentenThomas Rhyner hob die Vorzüge des Wohnens in Oberuzwil hervor. Da habe ihn doch ein Kollege aus St.Gallen gefragt, ob er wirklich „freiwillig“ nach Oberuzwil zöge?!? Dass man hier eine tolle Infrastruktur benützen kann, Schulen und Natur in nächster Nähe zu finden sind und man sich im Dorf – meist – noch kennt und hoffentlich grüsst, all das gehört zur Lebensqualität.
Dass sich diese gar noch steigern liesse, machte Rhyner mit vier Vorschlägen klar. Er regte an, dass bis 2012 100% aller Haushalte in der Gemeinde eine Selbstdeklaration ausfüllten, keine gewaltverherrlichenden Spiele im Haus zu haben. Zweitens gebe es so viele grosse Dächer auf Scheunen und Industriebetrieben, dass darauf mit Solarpanelen viel Strom zu erzeugen wäre. Rhyner träumte den Traum, ähnlich wie Präsident Obama, welcher aus einer Risikofamilie stammte, hier in Oberuzwil ein Mädchen mit schlechten Voraussetzungen so zu fördern, dass es die Hochschule besuchen könne.
Der vierte Vorschlag zielte auf die Mitarbeit der älteren Generation. Da sich die Alterspyramide stets zu Ungunsten der jungen Leute verändere, müssten neue Lösungen her. Thomas Rhyners Traum: in zwei Jahren wird in Oberuzwil mithilfe der Vereinsmitglieder und in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule ein Grosselternkongress durchgeführt. Da die meisten heutigen Grosseltern äusserst fit sind, sollte dieses Ziel „mit links“ erreicht werden können. Ideen dazu sind gefragt! Und damit diese nicht einfach im stillen Kämmerlein wieder begraben werden, bittet der Vorstand, diese auch mitzuteilen. Die Homepage bietet dazu eine ideale Plattform. Die einzelnen Vorstandsmitglieder können aber auch persönlich angegangen werden.
WahlenUrsi Müller-Bachmann hat während sage und schreibe 38 Jahren im Vorstand mitgewirkt, lange Jahre als aktive Mitgestalterin mit ihrem Mann Beat, der die Geschicke der Donnerstags-Gesellschaft lange Jahre an vorderster Front lenkte. Thomas Rhyner hob die Zuverlässigkeit von Ursi Müller-Bachmann hervor und dankte ihr mit einem Geschenk von Format, wie er ausführte. Das passe, habe sie doch ebenfalls Format. Und wahrlich! Das Buch mit ganz besonderen Fotos vom Flugzeug aus gesehen sah äusserst gross und gewichtig aus. Da Ursi Müller Engel sammle, erhielt sie einen ganz besonderen, nämlich einen „Ausruhe-Engel“. Und zu guter Letzt überreichte der Präsident auch noch ein Couvert für eine Blumenfreude. Dass die Scheidende grad selber für „Nachwuchs“ geschaut habe, hob der Präsident besonders lobend hervor. So durfte die Versammlung den jungen Sportlehrer Jürg Schadegg als neues Vorstandsmitglied wählen. Schadegg ist in Oberuzwil aufgewachsen und kennt die hiesigen Gepflogenheiten bestens.
OrtsmuseumWie jedes Jahr wies auch diesmal ein Mitglied des Ortsmuseums auf Neuerungen hin. So wurde ein sehr schönes informatives Faltblatt erstellt, ein sogenannter „Flyer“, um die Aktivitäten im Museum breiter bekanntzumachen. Johannes Gunzenreiner freute sich über das anhaltende Interesse an den Ausstellungen im Museum. Im Augenblick steht die digitalisierte Inventarisierung der Gegenstände im Haus an. Die themenbezogenen Ausstellungen zu alten Industriegeschichten zogen ausserordentlich viel Publikum an. Im nächsten Winter wird die Geschichte der Firma Heer zu verfolgen sein.
Karl Beisbardt befasst sich im Augenblick mit der Geschichte der Lokalzeitungen. „Neues“ aus alten Zeitungen verspricht eine interessante Sicht auf gesellschaftliche und politische Sichtweisen früherer Zeiten. Um Ostern herum werden wieder die kunstvollen Ostereier von Frau Gertrude Näf-Frei gezeigt, welche immer wieder staunen lassen, wie auf kleinstem Raum absolute Kunstwerke geschaffen werden können.
Erfreulich ist zudem, dass mit Roland Schluchter, dem eben erst pensionierten langjährigen Oberuzwiler Sekundarlehrer, ein neues Mitglied für die Ortsmuseumsbetreuung gefunden werden konnte. Marianne Burgermeister gehört ebenfalls seit vielen Jahren zur umsichtigen Leitung des Hauses. Im Hintergrund helfen oft auch die Partner der Leitenden mit. So sind die Geschicke des Museums weiterhin in besten Händen.
Mit einem grossen Dank an alle Mitarbeitenden vor und hinter den Kulissen schloss der Präsident nach fünfviertel Stunden den geschäftlichen Teil.
GeselligesDie Gourmet-Häfi servierten nach der Abwicklung der Traktanden einen feinen Salatteller mit heisser Fleischbeilage. Mit Rösslitorte und Kaffee liess sich danach entspannt plaudern,es wurden alte Bekanntschaften aufgefrischt und neue geknüpft. Das ist schliesslich der Sinn eines Vereins: die Vernetzung von ähnlichen Interessen, aber stets mit der Absicht, auch andere Meinungen gelten zu lassen, ja damit den eigenen Horizont zu erweitern.
Die Donnerstags-Gesellschaft hat eine eigene Homepage eingerichtet auf
Donnerstags-Gesellschaft. Hier findet das interessierte Publikum ganz viel Wissenswertes über diese ehrwürdige Gesellschaft.
Nächster Anlass
16. September 2010, 20.00 Uhr
"Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull" in der „Alti Gerbi“
Der Berliner Schauspieler Volker Ranisch zeigt uns in seinem Einmann-Theater seine Version des Stücks.