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Ein Holländer, seit 40 Jahren ein Flawiler
Hans Vijgenboom und seine Liebe zu den dörflichen Strukturen
Christian Jud
Nur an wenigen Wohnorten nehmen sich so viele Kunstschaffende ihrer näheren Umgebung an wie in Flawil. Hans Vijgenboom, ein hervorragender Tuschzeichner, ist einer von ihnen. In Holland geboren, vor exakt 40 Jahren in Flawil niedergelassen und auf Anhieb «eine vo üs» geworden.
«Das mag so sein», sagte Hans Vijgenboom in seiner trockenen und in Gesprächen auf das wesentliche beschränkten Art auf die Frage, warum denn überall in der Welt die aus den Niederlanden fortgezogenen an ihren neuen Wohnorten nachhaltige und kräftige Spuren hinterlassen.
Nach einer Weile mag er doch noch auf die Frage eingehen:«Die Niederlande gehören zu den am dichtesten besiedelten Ländern, das Meer ist nicht nur das Tor zur weiten Welt, ihm wurde ein grosser Teil Land abgerungen, und wer von hier fort zieht, die nehmen einen guten Schuss Lebensmut, aber auch ein stilles Heimweh nach der Weite des Landes ihrer Herkunft mit in das Ausreisegepäck».
Talent mitbekommen Hans Vijgenboom kam im Nachkriegsjahr 1947 in Venlo in den Niederlanden zur Welt. Das Zeichnen zeigte bereits in frühester Jugend seine Begabung auf, «vielleicht bin ich erblich belastet, denn schon mein Vater war ein guter Maler und Zeichner.
Nachdem mir meine Angehörigen, die Lehrer und meine Umgebung ein gewisses Talent nachsagten, begann ich als sechszehnjähriger mich in diese Freizeitbetätigung zu vertiefen». Im Vordergrund stand seine Ausbildung zum Werkzeugmacher. Im Jahre 1947 kam er n die Schweiz und liess sich vorerst für drei Jahre im aargauischen Menziken nieder.
Flawil wird zur Heimat Im Jahre 1970 übersiedelte Hans Vijgenboom nach Flawil, und nachdem die eigene Familie und die berufliche Weiterbildung zum Werkzeugkonstrukteur für die ersten vier Jahre im Vordergrund gestanden sind, startete er seine ersten Versuche in der Bauernmalerei. «Um nach drei Jahren zur Erkenntnis zu kommen, dass mir das Tuschzeichnen näher liegt», wie er gesteht.
Als ausgesprochener Ästhetiker liegen ihm die Formen näher als die Farben, und mit seinen geübten Sinnen fesseln ihn Harmonie und handwerkliche Aussagekraft besonders der Architektur weit eher, als die zeichnerischen Darstellungen aus der Phantasie.
Untrügliche Augen Auf die Frage nach dem Warum sagte der freundliche und umgängliche und längst zu einem Flawiler gewordene Familienvater, dass die Besiedlungsstrukturen hier in der Schweiz und ausgeprägt in den Toggenburger und Appenzeller Weilern und Dörfern von einer einzigartigen überschaubaren und doch auch wieder funktionalen Schönheit sind.
Die Wohnorte hätten sich entlang jener Landstriche entwickelt, in denen ihnen das unentbehrliche Wasser und das Kulturland im erreichbaren Umfeld zur Verfügung stand. «Selbst die Architektur der ersten Spuren einer sich anbahnenden Industrialisierung ab der Mitte des vorletzten Jahrhunderts sind in unseren Gegenden wie in einem Bilderbuch nachzulesen», bekräftigt der Künstler.
Heimat auf seine Art Es ist bezeichnend, dass berühmte Maler und Zeichner schon ab dem frühen Mittelalter gerade auch aus den Niederlanden in viele Teile der Welt ausschwärmten und ihre unauslöschlichen Spuren hinterlassen haben. Sie nahmen im besonderen in der Darstellung von Geschehnissen und im porträtieren von Personen eine Schlüsselstellung ein.
Mit dem Aufkommen der Photographie nahmen sich Maler und Zeichner vermehrt den Landschaften an, und was das Festhalten von gewachsenen mit baulichen Strukturen angeht, so hat die Photographie den Zeichnern und Malern ein sehr grosses und eindrückliches Feld überlassen. Die Sorgfalt und Liebe in der künstlerischen Darstellung von Weilern und Dörfern ist besonders auch in den Werken von Hans Vijgenboom spürbar. Sie zeigen gerade in den Sujets in und um Flawil Heimat auf eindrückliche Art auf.
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