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Nationalrat Thomas Müller an der Bundesfeier in Flawil
Die Schweiz auf den Punkt gebracht
Christian Jud
Im Mittelpunkt der vom Verkehrsverein Flawil (VVF) vielfältig gestalteten Bundesfeier auf dem Areal der Schul- und Sportanlage stand die Ansprache des Rorschacher Stadtpräsidenten und Nationalrates Thomas Müller, der in seiner Festrede den Schlusssatz prägte:«Setzen wir uns alle zusammen für die Interessen unseres Landes ein, auch gegenüber dem Ausland».
Flawiler Bundesfeiern sind Jahr um Jahr nicht vergleichbar mit jenen anderen Ortes hier zulande. Und wer sich zur Geburtstagsfeier von Mutter Helvetia im einstigen Untertoggenburger Bezirkshauptort aufmacht, die wollen sich auch in der Festrede wieder erkennen. Und auch auswärtige Gäste bestätigten einmal mehr:«Kaum woanders wie hier wird die Nationalhymne mit grösserem Stolz vorgetragen».
Mit Internationalem Flair Eingebettet war die auf den Samstag und Sonntag verlängerte Bundesfeier in der weitläufigen Schul- und Sportanlage Botsberg in der gleichzeitig die Weltmeisterschaft im Fechten stattgefunden hat, und ebenso das Fest der Jungen und Junggebliebenen bis tief in die Samstagnacht.
Am zeitigen Sonntagmorgen lud ein bundesfeierwürdiges Buffet bis zur ersten Nachmittagsstunde zum Verweilen ein, «musikalisch beträufelt» von Chris Härtsch und seiner Musikanlage. Nahtlos ging es dann über zum Spiel- und Plauschnachmittag für die Kinder, gut betreut von den Müttern, während sich die Väter für eine Weile in das Mittagsschläfchen verkrochen, um zu den eigentlichen Bundesfeierstunden wieder fitt zu sein.
Warten auf Gäste aus Isny «Sie chömet, händ aber nochli verspötig» verkündete der Präsident des VVF, Ignaz Mainberger über das Mikrofon den ab der fünften abendlichen Stunde einträufelnden Bundesfeiergästen, auf den noch leeren reservierten Tisch in der vordersten Reihe zeigend. Gemeint waren die Gäste aus der Partnerstadt Isny, während die ad hoc Formation der Sonnenbergmusikanten aus Mogelsberg wechselweise mit Christoph Sutter zur Unterhaltung aufspielte.
Inzwischen hatten die Gäste aus Isny den Rank in die feiernde Schweiz und hierher zu ihrem Ziel Flawil gefunden. In seiner Grussbotschaft zeichnete der Flawiler Gemeindepräsident Werner Muchenberger die lange Geschichte der Partnerschaft mit der Stadt Isny nach, die ihren Anfang im Nachkriegsjahr 1947 genommen hat, als kriegsversehrte Kinder aus Deutschland sich in der kriegsverschonten Schweiz erstmals wieder nach Herzenslust auffuttern durften.
Freundschaft die hält Werner Muchenberger ehrte in seinem Rückblick auf die langjährige Partnerschaft der beiden Gemeinden den langjährigen Vorsitzenden Horst Steinhauser und hiess zusammen mit dem Flawiler Präsidenten des Freundeskreises Andreas Koller den Nachfolger aus Isny, Jan Räbsamen, willkommen. In seinem Willkommgruss hob der Flawiler Gemeindepräsident hervor, dass sich Wohnortsfreundschaften über die Landesgrenzen hinaus zu eigentlichen Urzellen des dauerhaften Friedens in der Welt multiplizieren lassen.
Zwei der damaligen Gastkinder haben diesen Freudentag auch nach Jahrzehnten nicht vergessen und brachten ebenfalls Grüsse aus ihrem heimatlichen Isny nach Flawil. Unvergesslich bleiben Horst Steinhauser die Begegnungen über die vielen Freundschaftsjahre, und er erinnerte an den inzwischen verstorbenen Flawiler Bäckermeister und Gastwirt Toni Keller, «eine Freundschaft die nahtlos von dessen Sohn mit gleichem Vornamen und dessen Gattin Vreni weiter geführt wird».
Flawiler Beziehungen In seiner Festrede erinnerte der Politiker aus Rorschach daran, dass ihn gute Beziehungen mit Flawil verbinden, wie zu Peter Stadelmann, den Nationalmannschaftsdelegierten des Schweizerischen Fussballverbandes, in der Zeit als er, Thomas Müller, als Präsident des FC St.Gallen amtete und Stadelmann als sein Vizepräsident und Sportchef vor exakt zehn Jahren unter anderem mit dem Gewinn der Meisterschaft den schönsten Augenblick der gemeinsamen Fussballzeit erlebten.
Nicht unerwähnt soll bleiben, dass mit dem Flawiler Unternehmer Sigi Gantenbein ein Vorgänger von Thomas Müller den FC St.Gallen durch eine schwierige Zeit steuerte, und ebenfalls flocht Thomas Müller ein: «Und mit Flawil verbinden mich auch die gelben Munz-Bananen und die Schocki-Müsli, wenn ich an das essen denke».
Kleinmütige Medien Thomas Müller, weiter in seinen Ausführungen: «Wenn wir alles glauben würden was die Schweizer Zeitungen in den letzten zwei Jahren geschrieben haben und das Schweizer Fernsehen in derselben Zeit gesendet hat, müsste die Schweiz in der grössten Krise in ihrer Geschichte stecken». Das Gegenteil wäre der Fall. In der Zeit der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise gehörte die Schweiz weltweit zu den ganz wenigen Staaten, die das Haushaltjahr 2009 mit einem Rechnungsüberschuss abgeschlossen haben.
Zusätzlich hätten wir in den letzten fünf Jahren die Bundesschulden von 130 Milliarden auf 111 Milliarden Franken abgebaut. Mit der aktuellen Schuldenquote von 20,7 des Bruttoinlandproduktes gehöre die Schweiz weltweit zu den besten.
Und Nestverschmutzer Thomas Müller verurteilte in seiner Ansprache auch, dass es in der Schweiz Politiker gibt, die den Druck aus dem Ausland fördern und beklatschen, und mit Namen nannte er die SP- Nationalrätinnen, von denen die eine bereits im Oktober 2005 gegenüber der NZZ am Sonntag sagte: «Der Druck auf die Schweiz wird zunehmen und ich werde dabei mithelfen». Deren Genossin legte noch einen Zacken zu mit der Bemerkung, der Internationale Druck sei der einzige Hebel, der die Schweiz in Steuerfragen zur Räson bringen könne.
Politiker, die in ihren Reden gerne das Thema Ethik bemühen, hätten ein Klima geschaffen, in dem sich der Staat berechtigt fühlt, gestohlene CDs mit Bankkundendaten zu kaufen.
Gegen die Bevormundung Auch darauf ging der Redner in seinen Ausführungen ein: «Politik, Verwaltung und private Organisationen glauben einen Erziehungsauftrag gegenüber der Bevölkerung zu haben. Die Folgen sind laufend neue staatliche Regelungen und damit verbunden ein schleichender Verlust von Freiheit in unserem Land». Als Beispiel, weil man nicht in der Lage ist, gefährliche Hunderassen zu verbieten, hat der Bund auf dem Verordnungsweg einen obligatorischen Kurs geschaffen und private Verbandsfunktionäre reden mit, wer in unserem Land einen Hund halten darf.
Auch mit dem Rauchverbot gehe es in diese Richtung, die Raucher zu Nichtrauchern zu erziehen. Müller: «Der Ruf nach immer dichteren Regeln erinnert mich an eine Bestimmung im EU-Personalrecht: Mit dem Tod des Beamten gilt die Dienstreise als beendet. Mit der Bestimmung wird festgelegt, dass der Heimtransport der Leiche aus einer anderen Kasse zu bezahlen ist».
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