Fr, 18.05.2012
Jahrgang 13, Nr. 4522
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Agim Nushi machte ein gutes Spiel.
Die Wiler jubeln über das erste Tor.
Hämmerli bei einem der gefährlichen Flügelläufe.
Mordeku gewinnt den Zweikampf.
Torschütze Maliqi am Ball.
Das Spruchband, eine Anspielung auf den österreichischen Bundesligisten Salzburg, welcher nun neu Red Bull Salzburg heisst.

„Bin stolz auf die Mannschaft“
Der FC Wil gewinnt das Auswärtsspiel beim FC Wohlen verdient mit 2:1.

30.07.2005, Simon Dudle/Martin Ammann
Was für eine Leistung! Der FC Wil gastierte beim noch ungeschlagenen FC Wohlen, der in den ersten beiden Spielen keinen Gegentreffer hinnehmen musste, und setzte sich souverän 2:1 durch. Die Art und Weise, in welcher der Sieg eingefahren wurde, war beeindruckend . Man gestand dem FC Wohlen in der gesamten zweiten Halbzeit nur eine Torchance zu.

Wer gedacht hätte, der FC Wil würde sich beim vermeintlichen Favoriten FC Wohlen verstecken und das Heil in gelegentlichen Kontern suchen, sah sich gewaltig getäuscht. Von Anfang an war es die Truppe vom Maurizio Jacobacci, welche den Ball schön laufen liess und so dem Gegner den Schneid abkaufte. Es sei eine hervorragende erste Halbzeit gewesen, fasste der Trainer nach der Partie richtig zusammen. Es ist erfreulich, wie hungrig sich die Mannschaft zur Zeit präsentiert. Ausserdem scheint das 4-1-4-1-System genau auf die Akteure zugeschnitten zu sein.

Schon nach drei Spielen sieht man deutlich die Handschrift des neuen Trainers: den Gegner früh unter Druck setzen, das Spiel mit Seitenwechseln in die Breite ziehen und auch einmal aus der zweiten Reihe schiessen. Sogar die Verteidiger Rosemir Pires und Marco Hämmerli erarbeiteten sich durch ihre Distanzschüsse Tormöglichkeiten.

Ausgleich aus dem Nichts
Weil sie das Visier aber nicht genau genug eingestellt hatten, waren die Torjubel anderen Spielern überlassen. Nach knapp einer halben Stunden liess Sokol Maliqi, der im Mittelfeld zum Einsatz kam, aus über 20 Metern einen Flachschuss wie aus dem Bilderbuch ab, der genauer nicht hätte passen können: 0:1. Es war der Lohn für die beste halbe Stunde des FC Wil in der laufenden Saison. Als wie aus dem Nichts nur kurze Zeit später der 1:1-Ausgleich durch Dos Santos gefallen war, mussten sich die Fürstenländer in der Pause sammeln, um danach noch einen Zacken zuzulegen.

Aus einer sicheren Defensive heraus ergaben sich in der Folge immer wieder Tormöglichkeiten. Für den Siegtreffer brauchte es einen stehenden Ball. Felix Mordeku drückte das Leder nach einem Einwurf zum erlösenden Siegtreffer über die Linie. Beinahe hätte es sich aber doch noch gerächt, dass die Wiler zu viele Chancen ausliessen. In der letzten Minute traf Wohlens Einwechselspieler Milos Malenovic per Kopf den Pfosten. Der Ausgleich hätte jedoch nicht dem Gezeigten entsprochen. Wohlen hat zwar keineswegs schlecht gespielt, aber die Offensivabteilung wirkte ideenlos und scheiterte an der gut stehenden Wiler Verteidigung.

Wende im Testspiel
Während Trainier Maurizio Jacobacci nach dem Spiel für die Journalisten das Spiel noch einmal revue passieren liess, bekam er immer wieder Gratulationen. Das Wunder von Baden hat im Aargau seine Spuren hinterlassen. „Ich bin stolz auf Mannschaft, es entwickelt sich etwas zum Positiven“, hörte man den Italiener die aktuelle Lage analysieren. Die Spieler sind trotz des Sieges weiter selbstkritisch. Agim Nushi: „Wir müssen effizienter werden.“

Woher kommt dieses Selbstvertrauen? Nachdem in der Vorbereitung alle Spiele verloren gingen, hatte noch nicht viel auf diesen guten Start hingedeutet. Die Wende dürfte wohl das Testspiel gegen den Bundesligisten Bayer 04 Leverkusen gewesen sein, als die Wiler gegen Stars wie Jürg Butt, Tranquillo Barnetta oder Carsten Ramelow gewannen. Jacobacci ist sich bewusst, dass nun nicht der Zeitpunkt ist, um abzuheben: „Schon am Samstag wartet in Zürich ein sehr schweres Spiel gegen YF Juventus, aber gemeinsam erreichen wir diese Saison etwas Erfreuliches.“

Gegen den Kommerz im Fussball, ein Kommentar
Beim Auswärtsspiel in Wohlen hing im Fansektor der Wiler ein Spruchband „Geld verdirbt den Charakter & Red Bull den Fussball“. Dies hatte nichts direkt mit dem FC Wil zu tun, sondern war eine Anspielung auf die Ereignisse, welche zur Zeit beim österreichischen Bundesligisten Salzburg vor sich gehen. Red Bull Chef Didi Mateschitz ist im April bei der dortigen Austria eingestiegen und hat den Verein kommerzialisiert.

So heisst der Verein nun nicht mehr Austria, sondern Red Bull Salzburg, das Fussballspiel wird neben Attraktionen wie Clowns und Animatoren zum Nebenschauplatz, die Stehplätze wurden um ein zigfaches reduziert, das Stadion von Wals-Siezenheim in Red Bull Arena umgetauft und die Tenues des Vereines sind nicht mehr im traditionellen violett, sondern Rot/Weiss bzw. Blau/Weiss. Ausserdem wurde Fans, die mit violetten Fanartikeln zu einem Testspiel erschienen, der Zutritt untersagt.

Die Aktion der Wiler Supporter in Wohlen war reine Solidarität. Ausserdem wollten sie zeigen, dass für sie Traditionen im Fussball wichtiger sind als ein Zirkus im Stadion.
Simon Dudle

FC Wohlen – FC Wil 1900 1:2 (1:1)
Niedermatten: 850 Zuschauer – SR: Käser.
Tore: 28. Maliqi 0:1. 30. Eduardo 1:1. 59. Mordeku 1:2.

FC Wohlen: Leite; Dias, Knezevic, Passerini, Schirinzi; Heiniger, Gastaldi (54. C. Viceconte), Grüter, Colacino (61. Malenovic); Schultz; Dos Santos (64. Nascimento).

FC Wil 1900: Lopar; Schönenberger, Ivelj, Pires, Hämmerli; Longo; K. Nushi, Maliqi, Gsell, A. Nushi (92. E. Zverotic); Mordeku (81. Bem).

Bemerkungen: Wohlen ohne Iten (gesperrt). Wil ohne Oberli, Previtali (verletzt) und Cengel (noch nicht spielberechtigt). Verwarnungen: 78. Schultz (Foul), 86. Passerini (Foul). 90. Pfostenkopfball Malenovic.

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