In immer wieder neuer Zusammenstellung der Instrumente trat das Quartett auf.
Lea Zanola erklärt die Maultrommel.
Volksmusik aus alten Zeiten Alte Musik und Instrumente beflügelten das Pfingstkonzert in der Kobesenmühle in Niederhelfenschwil, es war wie ein Zurückgehen zu den Wurzeln.
14.05.05, Vroni Krucker Eine grosse Besucherschar pilgerte auch in diesem Freitag vor Pfingsten in die Kobesenmühle in Niederhelfenschwil. Mit einem faszinierenden Konzert auf alten Instrumenten der Volksmusik stimmte das Ensemble TRITONUS die Gäste im Ausstellungsraum der Stiftung Wilhelm Lehmann auf die Feiertage ein.
Scheinbar ist Petrus der Kobesen besonders wohlgesinnt, denn selten regnet es an diesen Anlässen. Auch der Freitagabend zeigte sich trocken und mild, womit ein Flanieren im Naturgarten möglich und auch begehrt war.
Ein Konzert der Sonderklasse Man ist sich ja gewohnt – in der Kobesen wird immer etwas besonderes geboten. „Wir erleben heute eigentlich nicht anderes, als das was uns an diesem Ort das Auge zeigt, ein zurückgehen zu den Wurzeln“, meinte Stiftungsrat Markus Lehmann in seiner Begrüssung. Am traditionellen Pfingstkonzert gab das Ensemble TRITONUS Einblick in die Vielseitigkeit der alten schweizerischen Volksmusik. Dabei benutzten sie auch die entsprechenden Instrumente, die zum Teil gar nicht mehr zu finden sind und selbst gebaut werden müssen.
„Die alte Volksmusik hat absolut nichts gemeinsam mit der bekannten „Ländlermusik“, erklärte Urs Klauser. Unsere Volksmusik habe schon immer Einflüsse aus den umliegenden Ländern aufgenommen. Ferdinand Fürchtegott Huber betont in seinen Aufzeichnungen, dass sich die Volksmusik immer den Zeiten und Gegebenheiten angepasst hätte. Leider seien zahlreiche Zeugen jener Zeit unwiederbringbar verlorengegangen, erklärte Klauser. Glücklicherweise hätten aber auch einige bei uns gewachsenen Musiktraditionen überlebt. "Seit mehr als zwanzig Jahren beschäftigen sich Urs Klauser und weitere Mitglieder von TRITONUS als Instrumentenbauer und MusikantInnen mit der Erforschung der Volksmusik und –instrumente in der Schweiz bis 1800.
Abwechslungsreiche Musik Den Auftakt machte ein alter Hirtenruf. Ihm folgten wilde und ruhige Tänze, der älteste Appenzeller Tanz aus dem 16. Jahrhundert sowie Appenzeller Tänze, die erst kürzlich entdeckt und noch nicht veröffentlich worden sind. Das Ensemble stellte sie zu zwei Sets zusammen und gab ihnen – in Anlehnung an die Silvesterkläuse – die Namen „die Schöne“ und „die Wüeschte“, wobei man sich kaum vorstellen konnte, welches dann „wüescht“ genannt werden sollte.
Kühreien - sie gehören zu den ursprünglichsten und eigensten Formen unserer Volksmusik - und Rundtänze gehörten ebenfalls ins Repertoire. Letztere hätten im Kanton Fribourg im Mittelalter gigantische Ausmasse angenommen, wusste Klauser zu berichten. Man wisse aus Aufzeichnungen, dass sich solche am Erntedank von Sonntag 007.00 Uhr bis Dienstag 07.00 ausgedehnt haben und dabei 20 Gemsen und 1000 Käse verzehrt worden sind.
Fasziniert von den alten Instrumenten Die Texte in alter Sprache waren ebenso faszinierend wie die Instrumente und das Ensemble. Der Lehrer Urs Klauser spielte die schweizer Sackpfeife, Cister (Gitarre) und Schwegel (Vorläufer der Querflöte). Der Informatiker Daniel Som zeigte sich sehr versiert auf Drehleier, Schalmai und Flöten. Die Schulmusikerin Felicia Kraft interpretierte mit ihrer warmen, klangvollen Stimme sehr eindrücklich fröhliche und traurige Lieder und Balladen, zum Teil basierend auf Sagen und Geschichten oder aus dem Liederbüchlein von Maria Josepha Barbara Brogerin.
Da erklang die bitter-traurige Klage vom Anneli, das seinen Mann nicht selber wählen durfte und an Seelenschmerz gestorben ist. Man erfuhr musikalisch die Geschichte von einem Verrückten aus der Gedicht- und Liedersammlung von Ulrich Bräker, dem armen Mann vom Toggenburg (1735-1798), wobei es eine Frage des Blickwinkels ist, wer denn da verrückt ist. Geheimnisvoll trug die Sängerin die Ballade der jungen Frau vor, die in einer Diebesfamilie aufgewachsen ist und dieses Metier bestens verstanden hat, bis man sie auch erwischte.
Felicia Kraft spielte zudem das Rebec (Vorläufer der Geige) und war zuständig für Rhythmikinstrumente wie Brummtopf Brummtopf (über einen Schmalztopf ist ein Fell gespannt, in dem ein dünner Holzstab befestigt ist. Die Spielerin reibt diesen Stab mit einem feuchten Lappen, was ein tiefes Brummen erzeugt), Rahmentamburin, Schellentamburin, Cimbel, Holzlöffel oder die eigenen Füsse. Das Hackbrett, das Trümpi (Maultrommel) und weitere Rhythmikinstrumente lagen in den Händen der Studentin Lea Zanola. Besonders die Begleitung der Lieder mit diesen Instrumenten liessen erahnen, wie es in jener Zeit getönt hat.
Daniel som mit Schalmai und Drehleier.
Er gehört zum Inventar von Kobesen: Ein lustiger Harlekin.
Verena Lehmann geniesst die Musik.
Die ansprechende Musik sorgte für aufmerksame Zuhörer.
Ein wunderschön gestaltetet Schrank.
Freude bei den Zuscchauern.
Lea Zanola am Hackbrett.
Eines der zierlichen Details - ein spezieller Türgriff.